Rumänien

Kinder, sobald sie uns entdecken, winken begeistert. Einige deuten uns an, das Gas aufzudrehen. Mutigere laufen an den Straßenrand und strecken uns ihre Hände entgegen. Unterwegs in Rumänien.

[Bild: Rumänien | motorradblog.de]

So gut wie jeder Motorradfahrer, dem wir auf unserem Weg Rumänien als nächstes Etappenziel nennen, meint: „Ah! Transfaragan!“ Nö. Ignorieren wir.

Denn mittlerweile sind wir bei allgegenwärtigen und gefeierten Streckenempfehlungen misstrauisch. Die Schlüsselerlebnisse dazu lieferten uns Touren in den Alpen. Auch Dracula, den nördlichen Karpatenbogen, das Donaudelta und vieles andere mehr, das es eigentlich zu besuchen gäbe, lassen wir links liegen.

Der erste Höhepunkt unserer Reise

Wir biegen vielmehr auf die Transalpina ab. Der erste feine Leckerbissen auf unserer Tour. Einige Kilometer geht es erst durch eine wunderschöne Berglandschaft. Mal durch dichten Wald, dann, mit freiem Blick, über die Bergrücken der transsilvanischen Alpen. Die Strecke berauscht. Auch, da die Kurvenführung immer wieder überrascht. Obwohl früh unterwegs, haben sich bereits einige Motorradfahrer eingefunden. Mit der Zeit füllt sich die Straße. Wohnmobile sind angenehm selten zu sehen, öfter hingegen ausgebaute Kastenwagen.

Eigentlich wollen wir noch einen Abstecher über die Strategica machen. Eine Militärpiste durch die Berge. Den Tipp gibt uns Florian, ein quirliger Touren- und Pistenfahrer, dem wir in Ungarn begegnen. Aber da einer der Koffer kaputtgegangen ist, verbringen wir die Zeit mit Reparaturen.

Dann schlagen wir unseren Weg parallel zur serbischen Grenze weiter Richtung Süden ein. Also genau dahin, wo sonst niemand hinzufahren scheint. Deshalb ist es auch vorbei mit touristischer Infrastruktur. Aber das Essen wird besser, und wir tasten uns auf einem Mix aus gut ausgebauten Strecken bis hin zu abenteuerlichen Holperpisten langsam vor.

Monumente

Uns begegnen regelmäßig Überbleibsel aus der Zeit kommunistischer Propaganda. Zugewachsene Monumente ohne funktionalen Nutzen im Irgendwo. Weshalb sie an den jeweiligen Stellen stehen, erschließt sich nicht. Auf einem zugewachsenen Berg beispielsweise, in der Nähe nur ein kleines Dorf, thront eine mächtige, mittlerweile zugewachsene, merkwürdig geformte Pyramide aus Beton. Oben der obligatorische Stern, dessen rote Farbe mittlerweile abblättert.

Mitten in einem Feld die ebenfalls aus Beton gegossene, überlebensgroße Statue einer Frau. Alles weht an ihr. Volles Haar und dünnes Hemdchen flattern im Wind. Sie würde gut ins Disneyland passen. Zuckerguss. Hier steht sie auf dem Acker. Das gefällt mir fast schon wieder.

Wie in Ungarn meiden wir die Städte. Aber hier sind junge Menschen auf dem Land zu sehen. Wir vermuten, sie nutzen die Urlaubstage, um zuhause auszuhelfen. Und, je nach Region, sind manche auch in Tracht gekleidet.

Abklatschen

Kinder, sobald sie uns entdecken, winken begeistert. Einige deuten uns mit konzentriertem Blick und eindeutiger Gestik an, das Gas aufzudrehen. Mutigere laufen an den Straßenrand und strecken uns ihre Hände entgegen. Abklatschen! Bis wir den Dreh mit der richtigen Geschwindigkeit raushaben, hinterlassen wir rote Kinderhände.

Irgendwann erreichen wir die Donau. Mächtig schiebt sie sich durch die Landschaft und bestimmt eine Weile unsere Strecke. An der Grenze eine kilometerlange Blechschlange. Die LKW-Fahrer winken uns durch. Vor uns Bulgarien.

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5 Comments

  1. Rumänien steht ja auch noch auf meiner Liste. Wenn nur das langweilige Ungarn nicht im Weg wäre.

    Aber bitte mehr Fotos, damit ich imHerbstgrau etwas mehr Lichtblicke habe.

    1. Ah, Achillesferse. Überlege immer wieder, ob nicht mehr Bilder in die Texte müssen. Ist aber ein echter Zeitfresser. Ich überlege. Zur Tour stelle ich noch ein paar Bilder ein. Brauche dafür ein wenig Zeit.

      1. Ich nutze ja meine Bilder, um den tagesverlauf zu rekonstruieren. Dann kann man sich daran lang hangeln. Qualität der Bilder ist meist zweitrangig. Der Mensch ist doch mehr optisch angelegt…

  2. Ja, Rumänien ist wirklich eine Reise wert! Besonders abseits der üblichen Routen. Das Land hat uns so positiv überrascht, insbesondere die freundlichen Menschen. Dort waren wir nicht das letzte Mal!

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