Handy oder Navi?

Taugt ein Handy für die Tour? Oder muss doch ein Navi her?

Ich bin die ersten Jahre ausschließlich mit Handy gefahren. Die GPS-Funktion macht’s möglich. Nach längerem Herumprobieren hatte ich die Software zusammen, die mir nützlich erscheint. Mit einigen abenteuerlichen Erfahrungen. Die ich aber nicht missen will.

Bis heute nutze ich Karten-Apps. Die Karten sind im offline-Modus verfügbar und erstaunlich genau. Selbst in Marokko und China war sie uns treuer und hilfreicher Begleiter. Als Navi-Ersatz für ein Motorrad ist sie dennoch nur bedingt tauglich.

Mehr als einmal führte uns die App zuverlässig den direkten Weg zu unserem Ziel. Und wenn ich direkt schreibe, dann meine ich es auch so. In der Toskana ging es geradeaus durch einen Bergwald mit grenzwertigen Steigungen, bis sich die Schotterpiste schließlich in einen schmalen Wanderweg und dann in einen matschigen Trampelpfad für Jäger verwandelte. Mitten in der Zivilisation ein unerwartetes Abenteuer, wenn mehr oder weniger nebenan eine gut ausgebaute Straße vorhanden ist.

Von einem Ausstatter für Hardcore-Abenteuertouren wurde ich zudem gewarnt, dass das Gerät letztlich aufgrund der Erschütterungen leiden und kaputtgehen könnte. Aber mein tapferes Telefon hat bis heute Schotter und Geröll überlebt.

Handschuhe aus

Der wesentliche Nachteil eines Handys liegt in der Hardware. Die Hauptprobleme lauten Nässe, Bedienbarkeit und Stromversorgung. Um es vor Regen zu schützen, gibt es zwar verschiedene Lösungen. Dauerhaft dicht sind sie aber alle nicht. Es sei denn, das Gerät wird in einer dieser unhandlichen Hüllen verschraubt, die auch für den Badeurlaub geeignet sind.

Die Bedienbarkeit unterwegs hält sich nun mal in Grenzen. Die Handschuhe wird man in jedem Falle ausziehen müssen. Wirklich lästig finde ich das in Stausituationen oder bei Streckensperrungen. Erst recht bei Regen: anhalten, Handschuhe runter, Gerät aus der Schutzhülle fummeln und aufpassen, dass das Display nicht nass wird.

Eine Option ist der Tankrucksack. Ich mag das nicht, denn dann wird der Blick in die falsche Richtung gezwungen. Auf Landstraßen ist das noch in Ordnung. In einer unbekannten Großstadt hingegen stressig. Das Telefon über eine 12-Volt-Dose zu laden, ist mit USB-Adapter kein Problem. Mich stört aber das herumbaumelnde Kabel.

An der falschen Stelle geknausert

Trotz der Kosten habe ich mich dann also doch für ein Navi entschieden. Und zunächst einen möglicherweise nicht seltenen Fehler begangen. Ich habe geknausert.

Meine Wahl fiel auf ein sehr preiswertes, nein, billiges Produkt. Auf die meisten Gadgets kann ich bei Navis verzichten. Aber die Software muss gut sein. Und das war sie natürlich nicht. Damit wurde bestätigt, was nicht immer, aber häufig stimmt. Wer billig kauft, kauft zweimal. Das habe ich getan. Mit dem Nachfolger bin ich aber glücklich. Vor allem, da ich das Gerät auch fahrend bedienen kann.

Der wesentliche Nachteil eines Handys ist unterm Strich aber ein ganz anderer. Ist es als Navi in Gebrauch, kann ich die wichtigste Funktion, die es bietet, nicht nutzen. Ich kann es nicht ausschalten.

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17 Comments

  1. Ich nutze Navigations- und Karten-Apps schon seit vor der Smartphone-Ära. Mein erstes GPS-Mobildatentelefon hatte nämlich schon GMaps und ich konnte Java-Applets installieren. Auch eine Navigations-App gab es so für umme. Plötzlich gab es günstiges Prepaid-Internet und das alles hat schon damals gut funktioniert. Zur groben Orientierung bei entfernteren Strecken hatte ich damals aber immer noch Generalkarten auf dem Tank.

    Heute nutze ich immer noch das Telefon zur Orientierung. Flugs per Finn an der Lenkerstrebe befestigt und gut. Ohne Audio. Versuche mit Navigationsgeräten empfand ich als zu umständlich. Und es geht doch nix über aktuelle Karten und Echtdaten. Für den Fall der Internetausfälle hab ich Karten installiert. Und Mitteilungen etc. kann man doch leicht abschalten. Möcht ich alles nicht mehr missen.

    Noch ein Tipp zur Bedienung von Bildschirmen mit Handschuhen. Wenn die Handschuhe mit der Zeit gut durchgeschweißt wurden, klappt es oft für rudimentäre Klicks. Keine Feinmotorik für Adresseingaben, aber mal klicken und ziehen geht oft. Ich trage nur Lederhandschuhe, mit Textilhandschuhen noch nicht getestet.

    1. Nach nem Reinfall mit nem nagelneuen Mopped-Navi (schrottete sich selbst während ner Regenfahrt) fahre ich nur noch mit „doppeltem Boden“ in den Moppedurlaub: heißt, mit Navi UND Smartphone. Meist lasse ich mich per Navi führen, da nur das in einer Halterung steckt und (meist) einwandfrei ablesbar ist. Muss unterwegs wegen Sperrungen umgeroutet werden, kommt meist das Smartphone zum Einsstz, da die Planung einfach schneller geht. Leider steckt es im Tankrucksack und ich muss nach Gehör fahren, weil mir der Platz für ne weitere Halterung fehlt.
      Ingesamt gefallen mir Routenplanung und Navigation per Smartphone besser: Anders als das Navi jagt mich die App (Calimoto) nicht durch jedes Wohngebiet, nur weil es dort ne Kurve gibt. Die Bedienung mit Handschuhen funktioniert beim Smartphone leider nicht, muss sie aber auch nicht, da ich in dem Fall eh lieber kurz anhalte, um mir per Backup2 (Papierkarte) nen Überblick zu verschaffen.
      Insgeamt vermisse ich das pure Fahren per Papierkarte! Das funktioniert aber leider nicht mehr, seitdem sie sie so winzig und unscharf drucken… 😉

      1. Ja, Karte gefällt mir insgesamt auch am besten. Und stimmt – mit der Digitalisierung sind gedruckte Karten nicht besser geworden. Zudem sind sie ganz schön teuer.

    2. Durchgeschweißte Handschuhe sind auch wieder so ein genialer Druidentipp. Habe es mit meinen Textilhandschuhen und Lederhandschuhen ausprobiert. Mit Textil keine Chance. Bei meinen Lederhandschuhen ist in der Handinnenseite Velour verarbeitet. Das Telefon erkennt zwar, dass da was passiert, ist aber zu unpräzise.

  2. Ich bin Navi-Verfechter. Mag sicher auch daran liegen, dass ich Pre-Smartphone schon ein Garmin-Handgerät (ohne Kartenfunktion) hatte, welches irgendwann gegen eines mit Karte getauscht wurde, anfänglich vor allem für Geocaching. Großer Vorteil, es war Wasserdicht und lief gefühlt ewig mit Batterien. Am Fahrrad war das ausreichend, am Mopped habe ich es per USB genutzt und konnte damit doch einige Touren unternehmen. Ok, es piepte nur und war für KfZ eigentlich zu langsam beim Berechnen von langen Touren.

    Ich hatte dann auch, nachdem es Smartphones gab, auch mal mit dem Telefon probiert. Neben dem Nachteil es so gut wie nicht bedienen zu können, kam auch gern mal das Sonne/Hitzeproblem dazu.
    Daher griff ich dann doch lieber zu einem dedizierten Motorradnavi. Das muss ich auch nicht immer so ‚umständlich‘ drantüdeln und kann bei kurzen Pausen einfach im Käfig bleiben. Das Telefon hingegen in der Jackentasche ist dann immer am Mann und kann da gern für einen Schnappschuss rausgeholt werden. 😉

    1. Den Punkt der Überhitzung hatte ich vergessen. Ist mir ebenfalls schon einige Male passiert. Nervig, wenn das System sich verabschiedet hat und man gerade in dem Moment vor der Kreuzung steht.

  3. Die ersten Jahre bin ich mit Karte gefahren. Es gab noch keine Navis.
    Dann hatte ich ein Navi, ein Motorrad Navi. Alles gut.

    Aber wieso soll ich für jeden Zweck ein Gerät haben, wenn mein Smartphone inzwischen so vieles auch sehr gut kann. Es ist mit sp connect am Motorrad befestigt, hat eine Regenhülle und wird per Induktion geladen. Zum Navigieren benutze ich kurviger.de, Calimoto ist auch gut – reine Geschmackssache. Über den Sprechfunk des Helms lasse ich mich führen. Zur Not kann ich sogar darüber telefonieren. Dazu halte ich aber an.

    Neues Smartphone? Neue Hülle. Alles andere von sp connect kann man dann weiternutzen.

    Meine Handschuhe habe ich mit Silbergarn Touchscreen-kompatibel gemacht.

    LHzG

    1. Der Silbergarn-Tipp ist famos! Werde ich ausprobieren. Auf langen Touren finde ich das Navi vorteilhafter. Robuster, Display ist größer, keine Spiegelungen und auch während der Fahrt bedienbar. Das Handy schmiert mir immer mal wieder bei Hitze ab.

  4. Beim Thema Navigation gibt es bei uns immer noch und immer wieder Diskussionen. So Vieles haben wir schon ausprobiert, vom einfachen bis teuren und hochwertigen Navi wie Garmin bis hin zum Handy. Da wir immerzu zweit vor Allem auch große und weite Touren fahren, navigieren wir auch mit 2 Geräten. Und es gibt für alles Für und Wider. Wenn man noch dazu in Länder fährt, deren Schrift man nicht richtig lesen kann und es auf Lateinisch verschiedene Schreibweisen gibt, wie z.B. die Ukraine oder die Russische Förderation. auf den großen Boulevards keine Hausnummern angebracht sind und Hotels manchmal von außen nicht immer als solche erkennlich sind, wird es kompliziert. Garmin bietet für Russland kein offizielles Kartenmaterial an. Und wenn man an einer russischen Großstadtkreuzung steht, das eine Navi nach rechts will und das andere links…oha, da ist eine mittelschwere Ehekrise vorprogrammiert! Aber wer fährt schon nach Russland!?
    Letztes Jahr haben wir kurzerhand nur über Googlemaps offline navigiert, das war am Genauesten, aber ja, mit der Handhabung, wie oben beschrieben, funktioniert die Bedienung oft nicht so wie man will, trotz Handschue, die einem versprechen, ein Display bedienen zu können. Aber ein Nässetest haben unsere relativ neuen gut Handys bestanden, nachdem wir oft und viel durch Regenwolken gefahren sind, durch unsere Tourenscheiben ein bischen geschützt!
    Die guten alten, normalen Straßenkarten haben wir aber auch immer dabei, um einfach immer mal ein Blick auf die Gesamtheit der Strcke werfen zu können und wir zu der Generation gehören, die früher nur so fahren konnten, wo es all die Technik von heute nicht gab!
    Dieses Jahr werden wir uns vielleicht mal mit einer App wie Calimoto auseinandersetzen! Mal sehen!

    1. Ich bin, was die Handy-Entwicklung angeht, ganz offensichtlich nicht auf dem neuesten Stand. Wusste nicht mal, dass es mittlerweile wasserdichte Teile gibt. Könnte man damit, zumindest theoretisch, auch im Wasser fotografieren?

      1. Ääähm, haben es noch nicht ausprobiert… sollte man vielleicht auch nicht… vorsichtshalber!
        Und was das Bedienen angeht, haben wir sogenannte Touchscreen Fingerhülsen für ein paar Euro entdeckt, über die Handschuhe gezogen, ausprobiert und für gut befunden!

  5. persönlich fahre ich nach Nase, wenn ich mich irgendwo nicht auskenne ist das eingeschaltete Navi eine willkommene Hilfe um den Verlauf der Hauptstrasse durch eine Ortschaft zu erkennen. In der Regel helfen aber Wegweiser und das grobe Vorplanen wo man durch fahren möchte.

    Wenn ich vor Ort mein Ziel nicht finden kann, dann bin ich auch schon mal froh über die Routingfunktion vom Navi damit ich das gesuchte Reiseziel dann auch finde. Dabei spielt es dann aber auch keine Rolle ob mich das Motorrad-Navi oder eine Smartphone-App führt.

    Kommt sehr darauf an wo man sich befindet. OSM-Karten für Japan waren zwar recht genau, aber wer schon mal in Japan unterwegs war weiss, eine Adresse zu finden ist nicht ganz so einfach wie in Europa.

  6. Hey,

    ich selbst habe mich auch dazu entschieden mein Handy als Navigation zu nutzen. Als Software nutze ich ebenfalls das bereits hier genannte Calimoto. Allerdings nutze ich das wirklich nur dann wenn es überhaupt nicht mehr weiter geht / ich in völlig unbekannten Gebieten unterwegs bin.
    Ansich geht mir durch die Technik hier ein wenig vom „ursprünglichen“ verloren. Ich möchte mich nicht auf die Karten konzentrieren sondern das Fahren geniessen. Aus diesem Grund ist die Navi meist aus und die Handyhalterung am Bike meist ungenutzt 🙂

    Gruß Thomas

    1. Calimoto wird immer wieder genannt. Ich hatte es vor längerer Zeit mal im Text, bin damit aber nicht warm geworden. Ich werde es jetzt nochmals ausprobieren.

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