Nordmazedonien

Wer hier unterwegs ist, befindet sich schon fast in Griechenland. Und in Griechenland sterben deutsche Rentner aufgrund der Hitze im Hochsommer wie die Fliegen.

[Bild: Nordmazedonien | motorradblog.de]

Das ist der abstruse Gedanke, der mir wiederkehrend durch den Kopf summt, während wir uns auf einem Weg durch die Wildnis scheppernd vortasten.

Es wird mir immer ein Rätsel bleiben, wie mancher mit Genuss tagelang bei Temperaturen um die 40 Grad am Strand braten kann. Mein persönliches Maximum liegt bei 28 Grad. Wir fahren dennoch im August in den Süden. Denn dort liegen nun mal die noch weißen Flecken unserer persönlichen Europakarte.

So landen wir eines Tages auf einer staubigen Piste in Mazedonien – da an dieser Stelle ein griechischer Bekannter regelmäßig die Augenbraue hebt: Pardon! – Nordmazedonien.

Ungarn, Rumänien und Bulgarien wirken im Vergleich grün. Die Farbe, in der sich uns Nordmazedonien präsentiert, ist ein ins Orange gehende Ocker. Es gibt zwar auch die ein und andere grüne Ecke, aber insgesamt dominiert die Farbe von Stein und Staub. Ideal für Pistenfahrten durch eine moderat hügelige Landschaft, die manchmal bergig wird.

Literweise trinken wir Wasser. Der einzige angenehme Effekt, den 46 Grad dabei mit sich bringen ist, dass Toilettenstopps wegfallen. Die für Wüstenfahrten gemachte Kombi fühlt sich an wie ein zu schwerer Skianzug. Aber ohne ihn zu fahren kommt nicht in Frage.

Hier tut’s weh

Wir sind hier nicht auf schwedischen Schotterautobahnen unterwegs. Es sind eher ganze Kiesgruben, die jemand unregelmäßig über Wege und Pfade verteilt hat. Nur dass die Kiesel oft faustgroß, teilweise auch so dick wie ein Kopf sind. Hier tut ein Sturz weh. Manchmal ragen Granitbrocken wie Haifischflossen aus dem Pfad, manchmal sind tiefe Rillen in den Boden gewaschen.

Unangenehm sind die Abschnitte mit feinem Sand. Noch lange kein Fesh-Fesh, aber direkt hinter Kurven eine echte Herausforderung. Es braucht Flexibilität und absolute Konzentration. Links steiler Abgrund. Rechts dschungelartiges Dickicht. Irgendwo da drin soll es Bären geben. Aber auf dieses Ereignis kann ich verzichten. Die Kombi schützt immerhin gut gegen die Dornenzweige.

Unsere offizielle Tageslosung wird nach der dritten Pause beschlossen: Bis einer heult. Die inoffizielle: es gibt keine Alternative.

Wieso eigentlich?

Wieso, zum Henker, machen wir das eigentlich? So lautet die Frage beim nächsten Halt. Vielleicht wegen der aus der Zeit gefallenen Dörfer, die wir überraschenderweise kreuzen. Eine in schwarz gehüllte Greisin sitzt vor ihrem windschiefen Häuschen, ein Smartphone in der Hand.

Oder die Begegnung mit den Polizisten, über die wir mitten im Nichts stolpern. Sie warten eine Weile neben ihrem Geländewagen, bis der überhitzte Kühler wieder einsatzbereite Temperaturen erreicht. Offenbar ist auch dies routinierter Teil ihrer Fahrten. Vielleicht liegt es auch an der großen Hochzeitsgesellschaft, die uns in einem Dorf gutgelaunt mit Bonbons bewirft.

Oder auch aufgrund der Freude daran, wieder einmal zu erleben, wie leistungsfähig unsere Maschinen sind. Erstaunlich, wie die beiden kleineren GS jede noch so abenteuerlich erscheinende Passage meistern. Wenn etwas schief läuft, dann liegt es zweifellos an uns.

Am Abend erreichen wir unser Ziel. Zerschlagen, verschwitzt, zerkratzt. Aber die Abendkühle wirkt wie ein Frischekick. Es gibt Schnaps zur Begrüßung und handfeste Hausmannskost. Irgendwo treibt ein Bauer seine Rinder laut fluchend zurück.

Den nächsten Streckenabschnitt Richtung Albanien besprechen wir mit unserem Gastgeber, der von einem schmalen, sich durch die Gegend windenden Sträßchen in der Satellitenaufnahme abrät. „Nur für Geländewagen und Pferde!“

Perfekt. Genau unser Ding!

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