Unterwegs auf der Motorradwelt Bodensee

Letztes Jahr haben wir wie immer die IMOT besucht. Dieses Jahr stand auch die Motorradwelt Bodensee in Friedrichshafen auf der Agenda. Mein Rückblick.

Es wird zwar gemunkelt, dass sich am Bodensee in den letzten drei Jahren nicht viel getan habe. Mir aber schnuppe. Denn für uns war es ja das erste Mal. Da ich kein großer Messegänger bin, fehlt mir der Überblick. Aber zumindest den Vergleich mit der Internationalen Motorradmesse (IMOT) in München kann ich anstellen. Wenn ich also gegenwärtig einen Sieger küren sollte, dann dürften sich die Friedrichshafener die Hände schütteln.

Weshalb? Sie haben auf ihrem Gelände zum Beispiel die höheren Hallen. Und mit 50.000 qm weitaus mehr Platz. Beides wissen sie zu nutzen. Zum Beispiel mit einer spektakulären Freestyle-Show, in der mit viel unbekümmertem Rabatz Can Cans, Nac Nacs, No Footers und anderes aus der Welt des Freestyles vorgeführt wird.

Ohrenbetäubend

Wer schon mal auf einem arabischen Fest war, auf dem Lautsprechertechnik zum Einsatz kam, kennt vielleicht diese Vorliebe für den klangvollen, meist aber unverständlichen Hall im Mikro. Das jetzt bitte gedanklich um einen Faktor von 1.000 multiplizieren und ein paar hummelgleich durch die Halle brausende, durch die Luft fliegende 2-Takter addieren. Dass auch ein leises E-Motorrad dabei war, spielt keine Rolle.

Wir staunen, knipsen, winken, sind begeistert, fliehen dann aber doch, als unsere Augen zu tränen beginnen und kämpfen uns durch den Abgasnebel in die nächsten Hallen. In einer ist ein Rennparcour zu finden, auf dem u. a. kleine Stöpsel auf winzigen Supermotos durch die Gegend flitzen. Auch hier staunen wir. So etwas gibt es in München nicht. Auch nicht die Trainingsmöglichkeiten und die Option für Testfahrten.

Friedrichshafen bietet weitaus mehr Aktion. Auch deshalb entsteht gar nicht erst der Eindruck, in einem großen Kaufhaus für Motorradkram unterwegs zu sein, in dem es allein darum geht, den Besucher zum Kauf zu animieren. Die Burnout-Show der Streetfighter sparen wir uns aber und wandeln stattdessen die zahlreichen Stände ab. Hier gibt es keinen allzu großen Unterschied zu München.

Mehr Aktion. Mehr Platz

Da in Friedrichshafen aber viel Fläche zur Verfügung steht, alles auf einer Ebene und in offenen Räumen stattfindet, gefällt mir die ganze Sache wirklich gut. Die Motorradumbauten beispielsweise sind fast schon museal in Szene gesetzt, in München wirkt es dagegen oft ein wenig gequetscht. Und deshalb lieblos.

Quads sind ebenfalls da, aber immerhin kommt man in Friedrichshafen nicht auf die Idee, noch ein Bordell wie selbstverständlich in den Ausstellerreigen zu integrieren. Besonders gut gefällt mir, dass mit dem Motorrad angereiste Besucher ihre Vehikel auf einer der zentralen und überdachten Freiflächen mittendrin parken dürfen und so zum Teil des Geschehens werden.

Meine Highlights

Mein ganz persönliches Highlight am Bodensee? Die „Lebende Werkstatt“, die handfeste Einblicke ins Customizing gibt und ganz nebenbei um Nachwuchs wirbt. Das ist näher dran und nicht so abgehoben.

Dann wäre da noch der Abschnitt „Skurriles auf Rädern“ gleich am Eingang zu nennen. Dort stand beispielsweise das Woodbike von Ernst Eberhard, dem ich weiterhin holzwurmfreies Fahrvergnügen wünsche. Mein Favorit thronte gleich nebenan. Wie ein aus der Krone der Queen gepurzeltes Juwel hockte da die funkelnde, beiwagenbestückte Dax von Jürgen Schmuda.

Solche Sachen freuen mich. Und deshalb werde ich nächstes Jahr ganz bestimmt wiederkommen.

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