Rezension zu „Ride Out!“ von Robert Klanten & Maximilian Funk (Hg.)

Mancher Motorrad-Bildband verstaubt und vergilbt vergessen in irgendeinem Regal. Dieser hier bestimmt nicht.

[Bild: Ride Out! motorradblog.de]

Vielleicht gibt es Menschen, die es sich an einem Samstagabend gemütlich machen, zu guter Musik und voller Ehrfurcht die Deckel dicker Motorradbildbände aufklappen, um dann ehrfürchtig die mehrfach bearbeitete Aufnahme einer Horex 350 Regina mit einer Träne im Augenwinkel anzusehen. Ich gehöre nicht dazu.

Der Weg zu dieser Erkenntnis hat mich insgesamt wohl ein hübsches Sümmchen gekostet. Denn in meinem Bücherregal befindet sich eine ganze Reihe solch mächtig dicker Folianten. Sie bergen hochwertige Hochglanzaufnahmen ergänzt um ein paar spärliche Zeilen zu technischen Daten der meist unsystematisch ausgewählten Maschinen. Wie die Skelette eines Elefantenfriedhofs stehen diese Papierschinken herum. Und verstauben.

Sensible Fernwehgeplagte – lasst es lieber!

Deshalb mache ich mittlerweile in den Buchhandlungen meines Vertrauens einen Bogen um die entsprechenden Regale. Aber, wie es eben so ist, Ausnahmen bestätigen erfreulicherweise auch hier die Regel. So bin ich durch Zufall kürzlich auf den großformatigen Wälzer „Ride Out!“ gestoßen.*

Wenn Du das Reisen liebst und derzeit nicht wegkannst – lass die Finger von diesem gelungenen Werk! Denn es tut ein wenig weh, so zielsicher trifft es den Fernwehnerv. Auf 270 Seiten grandiose Aufnahmen zu Strecken auf der ganzen Welt.

Dabei wird die europäische Perspektive der Herausgeber offensichtlich. Von 28 Berichten liegt ein Großteil der Routen sozusagen vor der deutschen Haustür – Alpen, Andalusien, Nordkap, Pyrenäen, Rumänien und andere. Darüber hinaus ist jeder Kontinent mindestens ein Mal vertreten. Dazu gibt es u.a. Angaben zum groben Streckenverlauf, Länge, Dauer sowie Schwierigkeitsgrad. Wanderer, Abenteurer und Träumer kommen also voll auf ihre Kosten.

Vielfalt. Nicht nur bei den Touren

Die flüssig geschriebenen Begleittexte sind Zusammenfassungen der Tourenberichte sehr unterschiedlicher Menschen, die alle mindestens eines gemeinsam haben: die Begeisterung am Motorradreisen. Einige davon sind in der Szene einigermaßen bekannt, wie beispielweise El Solitario, die dreiköpfige Familie Barbu (unterwegs im Ural-Gespann), die manchen als L’Équipée geläufigen Freundinnen auf Kubatrip und viele andere mehr.

Das macht auch den besonderen Reiz dieses Buches aus. Nicht nur die Strecken sind vielfältig und abwechslungsreich ausgewählt. Ich habe deshalb dann doch gute Musik aufgelegt, es mir auf meinem Lieblingsleseplatz gemütlich gemacht und voller Ehrfurcht den Buchdeckel aufgeschlagen.

Robert Klanten & Maximilian Funk (Hg.) (2018): Ride Out! Motorrad-Roadtrips und Abenteuer. Gestalten, Berlin: ISBN: 978-3-89955-523-3.

Zum Inhaltsverzeichnis.

2 Antworten auf „Rezension zu „Ride Out!“ von Robert Klanten & Maximilian Funk (Hg.)“

  1. Sensationell – meine Wunschliste auf Amazon wird umgehend ergänzt.

    Danke für Deinen Tipp – man hat ja immer nicht nur ein Motorrad zuwenig, sondern auch ein Motorrad-Buch 😉

    Beste Grüsse,
    Jürgen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.