Typologien: Abenteurer, Wanderer und Träumer

Vermutlich sind Multifunktionskleidung und Survivaltrend Zeichen für die stille Sehnsucht nach dem Ausbruch aus Alltagsroutinen. Ist es bei Motorradfahrern anders?

[Hier ist eigentlich ein Bild: drei Motorräder auf Piste.]

Wandern ist tatsächlich wieder en vogue. Vielleicht liegt es an der allgemeinen Retrowelle. Obwohl man in den Ausrüstungsgeschäften ja lieber von Hiking oder Trekking spricht. Wandern klingt wohl allzu profan. Das erinnert zu sehr an müffelige Socken, Blasen an den Füßen und Omas verpackte Stullen. Wer’s in Englisch spricht, verbreitet viel eher den Hauch des mehrtägigen Abenteuers: „Haaiiking“.

Survival-High-Tech im Büro und in der Fußgängerzone

Dazu passend im Angebot gibt es ganze Bataillone an Survivalutensilien, für die ohne weiteres der Gegenwert eines Kleinwagens über den Ladentisch gehen kann.

Unterhosen aus High-Tech-Stoffen, die gegen Zecken, Hirschlausfliegen und anderes Gefleuch schützen und bei Regen als Mütze getragen werden können. Oder auch gusseiserne Bratpfannen, die gemeinsam mit der Astronautennahrung im Wander… – pardon! – Trekkingrucksack ihren Platz finden.

Letzterer ist dann mutmaßlich öfter auf dem Weg zur Arbeit als in der Natur unterwegs. Man hat ja nicht umsonst und klugerweise ein Laptopfach vorgesehen. Und so hockt man dann in der Bahn oder im Auto auf dem Weg zur Arbeit und freut sich darüber, hervorragend für die Wildnis gewappnet zu sein.

Parallelen zur Motorradwelt

Parallelen zum Motorraduniversum liegen auf der Hand. Es sind ja immer mal wieder die herrlichsten Maschinen mit dem raffiniertesten Zubehör zu sehen. So, als würde da jemand nach dem Kaffee beim Bäcker gleich aufsteigen und zur Weltumrundung antreten. Es geht dann aber oftmals doch nur mit einem kleinen Umweg wieder nach Hause.

Industrie, Marketing und Medien sprechen von Tourenfahrern (Trekking hat man meines Wissens immerhin und gottseidank noch nicht für sich entdeckt). Ich meine, man kann die Gruppe der Tourenfahrer, zu der auch ich zähle, in drei Hauptkategorien aufteilen.

Abenteurer

Da gibt es den überschaubaren Haufen der Abenteurer. Das sind diejenigen, die in spektakulären Formaten die Welt befahren. Die quer durch Afrika holpern, sich auf der Knochenstraße den Hintern grün und blau stoßen oder im lateinamerikanischen Dschungel schwitzen, um dann über Japan den Heimweg anzutreten. Ohne Begleitfahrzeug.

Wanderer

Die zweite Gruppe sind die Wanderer. Wanderer sind die Unspektakulären. Die großen Ziele lauten nicht Patagonien, Yukon oder Nepal, sondern Nordkap, Balkan oder Sizilien. Alles kommt ein weniger gediegener, stiller und selbstverständlicher daher.

Träumer

Die dritte Kategorie sind die Träumer, die sich auf den ersten Blick kaum von Abenteurern oder Wanderern unterscheiden. Träumer träumen von dem, was die Abenteurer und manchmal auch die Wanderer machen.

Der ein oder andere Träumer verpuppt sich deshalb, schlüpft eines Tages als Abenteurer und fliegt auf unabsehbare Zeit davon.

Wir anderen bleiben am Boden und schauen sehnsüchtig hinterher.

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