Rezension zu „Winterflucht“ von Frank Panthöfer

Weshalb die großen Verlage keine Reiseführer für Motorradfahrer herausgeben, ist mir angesichts der Zulassungszahlen ein Rätsel. Aber glücklicherweise bietet die Motorradszene Alternativen. Ein Lesebericht.

[Hier ist eigentlich ein Bild: Fotografie des Buchs von Frank Panthöfer: Winterflucht.]

Die Krad-Vagabunden sind in der Szene der Abenteuer- und Weltumfahrer eine feste Größe. Immerhin war bzw. ist das Paar ein gutes Jahrzehnt auf zwei Rädern rund um den Globus unterwegs. Beide teilen ihre Erlebnisse als digitale Nomaden freigiebig auf ihrer Webseite sowie in Social Media.

Wer aber wirklich von ihren Erfahrungen profitieren will, der greife zu einem der Reisebücher. Die letzten Tage stand „Winterflucht“ auf meinem eigenen Leseprogramm.*

Flüssiger Stil und handfeste Tipps

Frank Panthöfer alias Panny schreibt flüssig und wird mit seinem klaren Stil und manchmal schnoddrigen Ausdruck wohl den (Motorradfahrer-) Nerv treffen. Das Buch ist eine Mischung aus chronologischem Bericht und Reiseführer. Wer Spanien, Portugal oder Marokko als Ziel im Auge hat, wird deshalb handfeste Tipps finden.

Beispielsweise Geisterstädte, staubige Pisten, Besuch bei einem offensichtlich spannenden Motorradclub, Skurriles und vieles mehr. Mein Notizzettel ist nach den 307 schnell gelesenen Textseiten prall gefüllt. Obwohl ich Teile der Strecke bereits selbst gefahren bin. Hier lese und – da reich bebildert – sehe ich, was ich verpasst habe.

Daran macht sich die kapitale Reiseerfahrung der Krad-Nomaden bemerkbar. Es sind Reiseprofis unterwegs, die nicht nur hindurchfahren. Sondern eintauchen. Da kann man etwas lernen. Auch hinsichtlich des Budgets.

Horizonte erweitern

Die Kosten der beiden werden immer wieder genannt, was gute Anhaltspunkte für die eigene Reiseplanung bietet. Und zum anderen zeigt, wie weit sich der Horizont erweitert, wenn man ein wenig an der eigenen Anspruchsschraube dreht. Sowohl faktisch als auch im übertragenen Sinne.

Mir gefallen zudem die kleinen Binnengeschichten, die eingeflochten werden. So erfährt man ganz nebenbei etwas über die ein oder andere landes- bzw. regionaltypische Eigenart. Stellenweise hätte ich mir ein wenig mehr Futter, ein bisschen mehr Tiefenbohrung gewünscht. Aber das mag an meinen persönlichen Interessen liegen. Für Lacher sorgen jedenfalls heitere Episoden mit Einheimischen.

Hinsichtlich der weniger schönen Dinge auf Reisen hat Panthöfer ebenfalls keine Berührungsängste. Dazu zählt beispielsweise eine Begegnung mit einem Terroropfer aus Paris. Oder die Konfrontation mit Armut. Schließlich auch die kleinen und großen Nachteile des Fernreisens.

08/15 geht anders

Was das Buch von vielen anderen Reiseberichten abhebt, ist der unprätentiöse Stil sowie die am Leser orientierte Erzählung. Vom üblichen Reiseführer unterscheidet es sich durch den ungeschönten und an der Zielgruppe orientierten Fokus.

Zu der zählen zweifellos alle, die mit dem Motorrad reisen oder reisen wollen. Und die es nicht beim 08/15-Touristenprogramm belassen wollen.

Ich sage den Krad-Vagabunden danke! Und finde, dass das Büchlein ein gutes Weihnachtsgeschenk für alle Reisefieberkranken sein könnte. Ich freue mich auf mehr!

Das Buch habe ich für 19,95 € direkt auf der Seite der Krad-Vagabunden bestellt und mit PayPal bezahlt. Der Versandt ging fix. Nur drei Tage später hatte ich es in der Hand.

*Frank Panthöfer (2018): Winterflucht. Eine Motorradreise durch Spanien, Portugal und Marokko. Panthöfer: Kreuztal, ISBN: 978-3-00-060589-5.

Zum Inhaltsverzeichnis.

2 Antworten auf „Rezension zu „Winterflucht“ von Frank Panthöfer“

  1. Schön geschrieben. Danke.

    Ich war auch schon auf Pannys Vorträgen und hatte meinen Spaß.

    Reisen abseits der Hotels ist immer ein Erlebnis. Ich versuche auf meinen Reisen immer in Privatunterkünften und kleinen Pensionen abzusteigen und habe dabei oft einen tollen Einblick in das Leben der Einheimischen haben können.

  2. Wenn einer eine Reise tut…
    Bin davon überzeugt, dass es sich hier um sehr lesenswerten Stoff handelt und zum Träumen und Planen der nächsten Tour einlädt.

    Was mich derzeit mehr beschäftigt, ist das Thema, was Motorrad fahren im schnöden Alltag bedeutet und wie es sich am besten integrieren lässt.
    Nach 1 1/2 autofreien Jahren haben wir erfahren, wie herausfordernd die Organisation des Alltags sein kann, wenn nicht wie selbstverständlich eine Blechkutsche vor der Tür steht und alles mit dem Moped erledigt werden muss. Zugegeben, wenn’s gar nicht ging, musste ein Mietwagen herhalten.

    Und zugleich die wichtigste und entscheidende Erkenntnis: es geht!
    Nur mit Motorrad, Fahrrad und Öffentlichen.
    Ein gutes Gefühl!

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