Geduld (der Dorn)

Was tun, wenn man eine Motorradpanne hat? Zum Beispiel Abwarten und neue Freundschaften knüpfen.

[Hier ist eigentlich ein Bild: Eine sandige Piste in der nordafrikanischen Steppe, auf der die Spur eines Motorrads zu sehen ist.]

Wir sind in nordafrikanischer Pampa unterwegs. Meilenweit nichts als steppenartige Landschaft, stachlige Sträucher, verwachsene Bäume, ab und zu mal Hirten, Ziegen, fürchterlich große, schlecht gelaunte Hunde und Schildkröten. Wir schlingern über eine sandige Spur. Irgendwo dahinten müsste wieder eine geteerte Straße kommen.

Dann spüre ich, dass etwas nicht stimmt. Der Vorderreifen hat Luft verloren. Grund ist ein Dorn, der sich stricknadeldick in das Gummi gedrückt hat. Mist! Netzempfang gibt es nicht. Und wen sollte man auch anrufen?!

Der Dorn sitzt einigermaßen fest und könnte noch ein wenig halten. Also weiter. Bin ich vorher dem Sand ausgewichen, meide ich jetzt die steinigen Stellen. Und dann, als manövrieren fast schon unmöglich ist, die ersten Häuser. Im Schneckentempo ziehen wir in den kleinen Ort ein. Hier gibt es auf den ersten Blick so gut wie nichts.

Und doch haben wir Glück! Ein kleines Café, Plastikstühle, Schatten, gekühlte Getränke. Die Felge scheint in Ordnung, also muss nur der Reifen geflickt werden. Wir fragen, ob es eine Werkstatt gibt. Ja, gibt es. Aber heute, am Feiertag? Keine Chance! Und ein Hotel gibt es auch nicht.

Ich habe insbesondere in China eine für mich sehr wichtige Lektion gelernt: mit Geduld geht manches schneller. Und der Bereitschaft, nicht mit dem Schicksal zu hadern. Irgendwie geht es immer weiter. Deshalb setzen wir uns, trinken Mokka und eisgekühltes Wasser. Aus einer kleinen Gruppe Teenager löst sich der Mutigste. Da wir uns darin einig sind, dass BMW gute Motorräder baut, ist ein elementarer Grundstein für Freundschaft und Vertrauen gelegt. (Noch immer erhalte ich ab und zu lustige Fotos über WhatsApp). Andere Einheimische rücken näher, wir kommunizieren mit vollem Körpereinsatz und wenn der jeweils andere nicht versteht, brüllen wir allesamt einfach noch lauter, bis endlich zustimmend genickt wird.

So verbringen wir zwei unterhaltsame Stunden vollkommen entspannt, bis unsere neuen Freunde für uns doch noch einen Handwerker auftreiben. Keine 200 Meter entfernt flickt der Mann in einem kleinen Verschlag mit einfachsten Mitteln und in beeindruckender Geschwindigkeit den Reifen. Es kann weitergehen.

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