Wie Katz und Hund

Es könnte alles so einfach sein. Ist es aber nicht. Jedenfalls nicht, wenn, so scheint es mir manchmal, Auto- und Motorradfahrer aufeinandertreffen.

[Bild: Katze am Bein | motorradblog.de]

Was sich ja nun mal nicht vermeiden lässt. Versteht mich jetzt bitte nicht falsch. Ich will keinesfalls in das Horn stoßen, dass Krieg auf den Straßen herrschen würde. Meistens klappt das alles ja ganz wunderbar. Zudem sind die meisten Motorradfahrer im Regelfall selbst häufiger im Auto als auf dem Motorrad unterwegs.

Nette Gesten

Es muss also heißen: wenn manche Auto- und manche Motorradfahrer aufeinandertreffen. Zu den großen Momenten zähle ich, wenn in einem Stau Autofahrer, nachdem sie einen im Rückspiegel herannahen sehen, zur Seite rücken.

Das ist nicht nur eine nette Geste. Das ist auch sinnvoll. Denn damit, wenn es alle täten, erhöht sich automatisch der Verkehrsabfluss. Zudem kippt an Sommertagen kein Mitmensch aufgrund von Überhitzung von seinem Zweirad. Wenn man es eilig hat, ist es doch erst recht lästig, einen dehydrierten Motorradfahrer reanimieren zu müssen.

Rundum unverständlich ist mir das Gegenteil. Stau, Motorradfahrer naht und die Lücke wird dichtgemacht. Ich habe wirklich keinen blassen Schimmer, was der Grund sein könnte. Neid? Missgunst? Bösartigkeit? Sadismus?

Egal! In diesen Momenten heißt es, sich nicht provozieren zu lassen. Lächeln. Ein paar Entspannungsübungen. Die Fliegen auf dem Visier zählen. Abstand halten. Viel Abstand. Über wichtigere Dinge nachdenken.

Soziale Atavismen

Wieso die regelmäßigen Petitionen zur Staudurchfahrung für Motorradfahrer so wenig erfolgreich sind, kann ich allein deshalb schon nicht nachvollziehen. Gleichsam merkwürdig finde ich es, wenn manche Autofahrer meinen, sich auf ein zweifelhaftes Rennen einlassen zu müssen.

Auf der Lieblingsstrecke unterwegs, gleich kommen die guten Kurven und, nein!, vor einem ein Auto. Das würde man natürlich gerne überholen. Aber ohne gleich sein Leben aufs Spiel zu setzen. Was möglich wäre, wenn der Fahrer nicht mit einem Blick in den Rückspiegel plötzlich beschleunigen würde.

Da kommt bei Manchem offenbar irgendetwas Archaisches hoch, ein atavistischer Reflex aus längst vergangenen Zeiten. Schneller sein! Gewinnen! Was? Tja, keine Ahnung.

Unrat vorbeiziehen lassen

Die meisten Synapsen scheinen in diesen Momenten abgeschaltet zu werden. Und dann wird Gummi gegeben. Längere Zeit war ich der Überzeugung, dass sich dieses Muster auf Pseudosportwagenfahrer beschränkt (ich meine alles vom tiefergelegten Polo bis zum AMG mit Biturbo-Aufkleber). Meine aktuelle Erkenntnis: stimmt nicht. Ein Dacia Duster mit ungebremstem Anhänger hat mich eines Besseren belehrt. Ich habe das getan, was ich dann mittlerweile eben tue. An die Seite fahren. In die Landschaft gucken.

Und nach ein paar Minuten dann freies, ungestörtes Wischen durch die Kurven.

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7 Comments

  1. Wenn sie ein Mopped im Stau blockieren, macht es doch erst richtig Spaß: Z. B. Rechts antäuschen, links vorbeifahren.

    Und ihren Jagdtrieb kann man auch ausnutzen: Wenn sie die linke Spur blockieren, einfach so tun, als ob man rechts überholen möchte. Und schon geben sie Gas. Klappt auch an der Ampel: Das Mopped steht auf Pole und möchte bei Grün die Spur wechseln: So tun als ob und einfach hinter der losspurtenden Dose locker einscheren.

    Spaß mit Dosen, sie können nur verlieren 😉 Und der Rest ist, wie du schreibst, etwas Geduld.

    1. So wahr!
      Plötzliches grundloses Ausscheren beim Überholvorgang ist auch sehr beliebt…

      Das Beste war allerdings dieser Verhärmte, der auf gerader Strecke entgegenkommend meinte, urplötzlich Geisterfahrer spielen zu müssen (Schönen Gruß an diese offenbar einheimische Samerberg-Kanaille!). Sollte sein Ziel gewesen sein, dass mir das Herz in die Hose rutscht, Glückwunsch! Ist hervorragend gelungen und lässt selbst die größte Gelassenheit ratzfatz schwinden!

      Wie gut, dass es – davon abgesehen – all die Netten, Rücksichtsvollen gibt, denen man (Frau) hin und wieder begegnet. 😉

      1. Eine Aufforderung zum Chicken Run? (Manchmal, in verzweifelten Stunden, frage ich mich, ob wohl der allgemeine Verwirrungszustand zunimmt, oder ob ich nur sensibler werde. Aber dann stelle ich beruhigt fest, dass die große Überzahl recht aufrecht durchs Leben geht.)

  2. Hoi aus den Bergen!
    Du schreibst mir aus der Seele. Ich bin in diesem Jahr zwar noch nicht viel Motorrad gefahren, aber den von Dir aufgezählten Prototypen bin ich allen schon begegnet.

    Mein morgens beim Aufsetzen des Helms gebetetes „Ommmm“ war dabei immer hilfreich, und ich konnte zum Beispiel auch das engagierte Familien-Oberhaupt, das seinen vollbesetzten Kombi mit rauchenden Bremsen das Stilfserjoch hinunterbrannte, um die hinter ihm hergurkende Superduke hinter ihm zu halten, aushalten.

    Schon kurios, bisweilen..

  3. PKW-Klassiker:

    »Der sieht mich schon und kann Gedanken lesen – ich brauche nicht zu blinken!«

    Krad-Klassiker:

    »Der hört mich schon (dB-Killer ausgebaut) und kann Gedanken lesen – ich brauch nicht blinken!«

    Manchmal sind die mutmaßlichen Gedankengänge schon ähnlich… Wenn dann PKW links abbiegt während Motorrad gleichzeitig links davon überholen will wird es kurz laut und dann leise… Und dann hört man in der Ferne irgendwann ein »Lalü-Lala-Lalü-…«.

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