Wie ich meine Frau vom Motorradfahren überzeugen konnte

Motorradfahren? Unter keinen Umständen! Auch nicht als Sozia. So lautete die Ansage.

[Hier ist eigentlich ein Bild: Motorradfahrerin mit Sozius.]

Meine Frau war von Anfang an dagegen, dass ich einen Führerschein mache. Damit stand auch von vornherein fest, dass dies ein Hobby sein würde, an dem sie nicht teilhaben wird. Das hat mir nicht gefallen, aber abgehalten hat es mich auch nicht.

Geradezu magisch war die allererste Ausfahrt auf meiner eigenen Maschine. Ich bin wohl alle paar Kilometer abgestiegen, um das Motorrad gegangen, habe es bestaunt und mir ein Loch in den Bauch gefreut. Vielleicht habe ich es auch gestreichelt. Aber das würde ich niemals zugeben.

Es ging über den Tatzelwurm. Von Bayrischzell kommend, folgt man dem schmalen, kurvenreichen Sträßchen, bis sich mit einem Mal das Tal öffnet. Vor, neben, über und unter mir die allerschönste Voralpenlandschaft. Jubel! Ein Gedanke setzte sich in diesem Moment fest. Das darf dem Menschen, mit dem ich mein Leben verbringe, den ich liebe und schätze, nicht entgehen!

Der Köder

Die beste Überzeugungskraft hatte sicherlich, dass ich, wieder zuhause, vor Begeisterung geglüht haben muss. Aber das allein reicht natürlich nicht aus. Ein wesentlicher Schlüsselmoment ergab sich kurz danach im Norden Deutschlands bei einem Familienbesuch. Wir waren unabhängig voneinander angereist. Sie mit dem Zug, ich mit dem Motorrad. Meine Frau liebt das Meer. Wie man dorthin kommt, ist für sie sekundär.

Die Chance!

Ab an die dänische Küste! Mit geliehener Kombi dann die allererste Ausfahrt zu zweit auf einer Maschine. Als elementarer Vorteil erwies sich, was unter normalen Umständen ein Graus ist. Schnurgerade Straßen. Zwar hatte meine Frau im Nachhinein regelrechten Muskelkater, so angespannt war sie, aber alles lief gut.

Der Boss sitzt hinten

Der zweite Schlüsselmoment ergab sich etwas später an einem verlängerten Wochenende. Meiner Frau war von Anfang an klar, dass ich allzu gerne eine Motorradtour gemacht hätte. Und deshalb ließ sie sich aufgrund der akzeptablen Erfahrung in Dänemark auf einen Ausflug nach Norditalien ein. Die Strecke war aus folgenden Gründen ideal: auch auf dem Sozius ist es interessant, denn es gibt eigentlich so gut wie die ganze Zeit etwas zu sehen. Und das Ziel lag, na klar, am Meer.

Dennoch hatte meine Frau Angst. Und deshalb war es klug, vorher Vereinbarungen zu treffen. Im Prinzip bestimmte sie die ganze Zeit das maximale Tempo. Wenn sie halten wollte, hielten wir. Und zwar sofort. Wenn ihr ein Überholvorgang zu riskant erschien, überholten wir nicht.

Als vorteilhaft erwiesen sich auch die Koffer an den Seiten und ein hässliches Topcase, das ich extra angeschafft hatte. Das Gefühl, eine wenn auch kleine Knautschzone um sich herum zu haben, sorgte für Entspannung.

Meinen Fahrstil passte ich komplett an. Ein hervorragendes Training für mich! Weiches Beschleunigen, sanftes Abbremsen, untere Drehzahlen, glatte Gangwechsel, langsam aber geschmeidig durch Serpentinen und die ganze Zeit die Sensoren auch nach hinten ausgerichtet.

Vom Luftschloss zum Abenteuer

Der Durchbruch dann später auf einer Tour quer über die einschlägigen Alpenpässe. Über den Wolken unterwegs und als Bonus für uns der kleine Abenteuereffekt, den Zelten so mit sich bringt. Abends dann bei Wein Luftschlösser von Abenteuertouren auf dem Motorrad.

Natürlich wird sich hieraus keine allgemeingültige Anleitung erstellen lassen. Aber ich will versuchen, aus dieser Erfahrung ein paar Tipps abzuleiten, die vielleicht nützlich sind:

  1. Akzeptiere das Nein. Versuch nicht, zu überzeugen! Sprich von dir selbst und deiner Begeisterung.
  2. Verbinde die ersten gemeinsamen Ausfahrten auf einer Maschine mit einer für den anderen hochgradig attraktiven Sache. Das Motorradfahren sollte nicht im Vordergrund stehen.
  3. Pass deinen Fahrstil an. Beweise, dass ein Motorrad kein Mordinstrument, sondern eine stabile Sache ist, die sich in jedem Moment beherrschen lässt.
  4. Nimm das Gefühl des Kontrollverlusts und des Ausgeliefertseins. Der andere bestimmt Rhythmus, Tempo, Abstände, Überholvorgänge usw.
  5. Nimm Wünsche ernst. Sofort.
  6. Wähle Strecken, die für den anderen interessant sind. Was Du selbst willst, ist Nebensache.

Bei mir hat es jedenfalls geklappt. Irgendwo und irgendwann muss sich meine Frau angesteckt haben. Der Motorradvirus hatte zugeschlagen. Denn pünktlich zum nächsten Saisonstart stand ihr eigenes Motorrad vor der Tür.

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4 Antworten auf „Wie ich meine Frau vom Motorradfahren überzeugen konnte“

  1. Bei so einer Einstellung zum Beifahrer könnten sogar Angsthasen überzeugt werden, mutig bei jeder Kurve mitzugehen. Die Winde zu spüren und zu entdecken, welche Autofahrer Verständnis haben oder sich im Konkurrenzmodus befinden. Auf weitere tolle Touren.

  2. Genauso hab ich das auch erlebt, meine Frau ist aber noch nicht gaaaanz so weit.
    Aber ich … äähhh… wir arbeiten dran. 🙂
    Gruß und schreib weiterhin so klasse !
    Klaus

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