Typologien: die Hypersymbolischen

Motorräder sind mehr als nur Vehikel, mit denen man von A nach B kommt. Nirgendwo wird das deutlicher als in der Customizer-Szene. Aber auch hier gibt es Unterschiede.

[Hier ist eigentlich ein Bild: Front eines Streetfighters.]

Unabhängig von der Bauart finden sich immer mal wieder bis ins letzte Detail gestaltete Maschinen. Dabei gehen die Eingriffe weit über das hinaus, was geläufig als Customizing, also Personalisierung, bezeichnet wird. Die Motorräder, die ich im Sinn habe, sind Unikate par Excellence. Was ist der Unterschied zum herkömmlichen Customizing?

Salonfähiges Customizing

Selbst bei einem ultimativen Eingriff bleibt die salonfähige Personalisierung bei einer bestimmten Grenze stehen. Es werden Kontrapunkte zu Massengeschmack und dem Design von der Stange gesetzt. Aber wohldosiert und immer als Anspielung kenntlich.

Sie spielen nur mit dem Rebellischen, dem Unangepassten, dem Individuellen. Man geht zwar auf Abstand zum konformen Allerlei, bleibt aber in Sicht- und Hörweite. Denn auf die Einladung zur großen Party will man dann doch nicht verzichten.

Bleiben wir beim Party-Bild und siedeln es in einer schnell ausgedachten Gesellschaft an, die etwas auf sich hält. Die Gäste werden dann zu gutem Teil aus Personen bestehen, die ein Gläschen vor sich hertragen und unverfänglich miteinander plaudern. Vielleicht ein Landgut oder kleines Schlösschen im Hintergrund. Denkbar ist auch irgendeine hippe Galerie oder ein anderer angesagter Spot. Fertig ist mein komplett klischeehaftes Gemälde.

Die Gastgeber wissen, was sie sich und ihren Gästen schuldig sind und wollen der Gefahr möglicher Langeweile begegnen. Also werden wohldosiert Persönlichkeiten eingeladen, die auf den ersten Blick nicht so recht in diese Idylle passen wollen. Sie sehen anders aus, machen „irgendetwas kreatives“ oder reden über ungewöhnliche Dinge. Sie sind „interessant“.

Schnappatmung statt fashionable

In der Motorradwelt gehören die anerkannten Customizer zur letztgenannten Gruppe. Die Leute, an die ich denke, sind hier aber nicht zu finden. Denn das würde bei manchen Gästen mit hoher Wahrscheinlichkeit Schnappatmung auslösen. Erscheinungsbild und Auftreten liegen weit jenseits von dem, was noch als fashionable bezeichnet werden kann. Bei ihnen ist die Grenze zum Gerade-Noch-Akzeptablen längst überschritten.

Und es ist ihnen auch Wurscht. Ihre Motorräder sind so sehr Ausdruck ihrer Persönlichkeit und so stark individualisiert, dass die Maschinen beinahe so erscheinen wie intime Tagebücher.

Das Motorrad als symbolische Knetmasse, als Tragfläche der eigenen Identität.

Zum Inhaltsverzeichnis.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.