Schlaf, Motorradindustrie, schlaf …

Motorradfahren ist ganz gewiss nicht die unsinnigste Sache der Welt. Aber es zählt zweifellos dazu. Zumindest solange man in einer Gesellschaft wie der deutschen lebt.

[Bild: Gypsy schläft | motorradblog.de]

Motorräder sind in nur sehr seltenen Ausnahmefällen nicht reines Luxusgut. Dafür sind sie viel zu teuer. Und bieten, ja, ist so, für das Geld zwar eine Menge Fahrspaß. Sonst aber nichts. Letztlich berücksichtigt unser Markt nur diejenigen, die sich ein oder sogar mehrere Motorräder neben den PKW stellen können. Menschen, die sich für ein Motorrad als Alternative zum Auto entscheiden, hat die Industrie nicht auf dem Schirm. Will man anscheinend auch gar nicht.

Ein praktisches, in allen Schichten bezahlbares, auf die wesentlichen Funktionen reduziertes und dennoch attraktives Motorrad gibt es zwar. Bei uns wird so etwas aber weder hergestellt, noch verkauft und wahrscheinlich nicht einmal zugelassen. Die wenigen Hersteller, die Modelle im unteren Preisbereich anbieten, werden, der wirtschaftlichen Logik folgend, die Preise bei höherer Nachfrage sofort nach oben setzen.

„Praktisch“ ist besetzt

Zudem ist das Segment „praktisch“ ohnehin von Rollern besetzt. Hier nimmt die Konkurrenz durch Fahrräder zumindest in Städten zu. Dass der statusbewusste, aufs Auto verzichtende Allwetterradler Geldbeträge jenseits der Vernunftgrenze bezahlt, um Biogemüse und Kinder nach Hause zu transportieren, ist ein anderes Thema – sollte Motorradentwickler aber eigentlich aufmerken lassen.

Womöglich wird dies eines Tages der wesentliche Grund sein, aus dem Motorräder nicht mehr hergestellt werden. Vollkommen gleich, ob mit Verbrennungs- oder E-Motor. Wenn fehlgeleitete Wirtschafts-, Verkehrs- und insbesondere Kommunalpolitik den letzten Dörfler trotz horrender Mieten und Grundstückspreise in die städtischen Peripheriezonen getrieben hat, ist es so gut wie sicher.

Cojones! bitte!

So gesehen ist ein Motorrad in der Gesamtbetrachtung gegenwärtig nicht mehr als ein verzichtbares Hobby und rein hedonistisches Vergnügen. Das ist schade, denn eigentlich wäre mehr drin.

Deshalb frage ich mich: wo sind die klugen, motorradbasierten Mobilitätslösungen, die auf mehr setzen als nur Fahrspaß? Wo bleiben die echten Innovationen im Motorradsegment, die Antworten auf aktuelle und zukünftige Verkehrsprobleme sowie ökologische und infrastrukturelle Fragen geben?

Ein Motorrad ist nun mal in vielerlei Hinsicht weitaus ökonomischer aufgestellt als ein Auto und bringt gegenüber dem Fahrrad (inklusive Mikromobilität) Vorteile mit, die nicht von der Hand zu weisen sind. Aber die einzigen erwähnenswerten Entwicklungen, mit denen derzeit von sich Reden gemacht wird, sind – täterätä – der E-Motor (an dieser Stelle bitte ein lautes Gähnen mitdenken) und – juhuuu – das selbstfahrende Motorrad.

Unser Hausmeister würde die Stirn weise in Falten legen und es wahrscheinlich folgendermaßen ausdrücken: „Denen fehlen die Cojones.“

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