Rezension zu „Good Bye, Lehmann“ von Stefan Fay

Dieses Buch ist weder Reisebericht noch Roman, sondern liegt irgendwo dazwischen. Auf jeden Fall sind kurzweilige Lesestunden garantiert.

[Hier ist eigentlich ein Bild: Fotografie des Buchs von Stefan Fay: Good Bye Lehmann.]

Als ich das Buch entdeckte, war ich mir zunächst nicht sicher, ob es sich um einen Reisebericht oder um eine fiktive Romangeschichte handelt. Das lag auch daran, dass ich den Untertitel nicht ganz ernst genommen hatte.*

Jetzt, nach kurzweiligen Stunden, weiß ich, dass weder das eine noch das andere zutrifft. Auch wenn Fay, einen Großteil der Strecke zu zweit unterwegs, mehr als die halbe Weltkugel umfährt und schließlich in Australien strandet.

Auf der Suche nach dem wahren Leben

Der Autor wird getrieben von nicht weniger als der Suche nach dem „wahren“ und „richtigen“ Leben, das er zunächst im Sattel eines Motorrads vermutet. So gut wie jeder Tourenfahrer wird das nachvollziehen können.

Genau das macht das Buch meiner Meinung nach so lesenswert, denn letztlich räumt es, vielleicht ungewollt, mit einem der ganz großen Mythen der Abenteuerreisewelt auf, bestätigt ihn aber gleichwohl in gewisser Weise.

Die Erzählung dreht sich um eine Art Metamorphose des Autors, dem es gelingt, diese Entwicklung auf dem Weg quer durch Osteuropa, Zentralasien, Asien bis nach Australien in einer Form zu präsentieren, die mehr an einen spannenden Roman, als an ein Tagebuch erinnert. Das Buch zeichnet diese Entwicklung überzeugend nach. Sowohl inhaltlich als auch stilistisch

Hohes Erzähltempo

Denn mich hat in der ersten Hälfte das hohe Erzähltempo zunächst irritiert. Da fährt jemand durch die spannendsten Länder der Welt und belässt es bei kurzen, nahezu oberflächlich erscheinenden, nichtsdestotrotz ausnehmend abenteuerlichen Anekdoten. Wie ein Baedeker-Tourist in den 60ern. Länder und Kulturen werden aufgeschnupft wie eine Kokainbahn. Dachte ich.

Doch mit jeder Seite gewinnt das Buch an Tiefe, um schließlich einen sensiblen Punkt zur Sprache zu bringen. Reisen als Flucht vor sich selbst, als Form der Selbstbetäubung und Sucht nach dem nächsten Erlebniskick. Bezeichnenderweise wird schließlich der Schilderung des vergleichsweise eintönigen australischen Outbacks mehr Raum zugestanden, als beispielsweise den quirligen russischen Metropolen oder Zentralasien.

Die zentrale Botschaft, das Lehrstück, erschließt sich damit am Ende. Und so, das darf ich wohl vorwegnehmen, wartet das Buch mit einem runden, aber keineswegs zuckrigen Happy-End auf.

Ein bisschen Goethe

Was ist dieses Buch also? Weder Roman, noch Reisebericht. Mit der zentralen Aussage und der gesellschaftskritischen Haltung ist es dicht an Entwicklungsromanen wie Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ angesiedelt. Quasi ein non-fiktionaler Entwicklungsroman für Motorradfahrer, den ich (trotz des ein und anderen Kommafehlers) sehr empfehlen möchte.

Das Buch kann für 13,90 € direkt auf der Seite des Autors bestellt werden. Wer sich registriert, erhält außerdem Zugang zu Videos und Bildern der Reise.

*Stefan Fay (2017): Good Bye, Lehmann. Auf der Suche nach dem guten Leben. Fay: o.O., ISBN: 978-3-9819292-0-1.

Zum Inhaltsverzeichnis.

3 Antworten auf „Rezension zu „Good Bye, Lehmann“ von Stefan Fay“

  1. Ein schöner Tipp für verschneite Wintertage. Macht Lust aufs Reisen… und aufs Nachdenken.
    Wer lieber schauen als lesen mag: Aktuell gibt es ergänzend auch einen Bildband.

  2. Ein lesenswertes Buch, geschrieben in einer anschauliche Sprache. Da mein Partner das Buch auch gelesen hatte, gab es Anlass, gemeinsam über das Motorradreisen und das Leben im Allgemeinen zu philosophieren. Was kann ein Autor besseres erreichen?
    Deine Rezensionen ist sehr gelungen!

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