Motorradtinte

Ich zeichne gern. Das wissen meine Frau, meine Familie und meine Freunde. Und Amazon.

Amazon weiß auch, dass ich Motorrad fahre, dass wir umgezogen sind und meine Vorliebe für Füller ist ebenfalls bekannt. Vorschläge zu Produkten sind das Ergebnis, auf die ich niemals selbst gekommen wäre. Einrichtungsgegenstände rund ums Motorrad beispielsweise. Selbst ein Möbelstück, halb Regal, halb Motorrad war schon dabei.

Tinte!

Der schönste Vorschlag aber ist Tinte. Und mit, ja, allen Ernstes, Motorradduft. Ich kaufe das alles nicht, aber die Tinte lässt mich nicht los. Wie kommt man auf die Idee, so etwas herzustellen? Ist das ein Produktionsfehler? Eigentlich wollte man etwas mit Veilchen, aber irgendwer hat nicht aufgepasst? Man steht ratlos über dem Ergebnis, verzieht das Gesicht und schweigt betreten. Bis jemand feststellt: „Mensch, das riecht ja wie Motorrad!“. Nicht nach Auto, Trecker, LKW, Mofa oder Rasenmäher. Nach Motorrad.

Oder hat eine Kommission von Marktstrategen nächtelang zusammengesessen, über die Bedrohung durch Digitalisierung gesprochen, erodierende Tintenmärkte analysiert, Ergebnisse von Kundenbefragungen ausgewertet, um am Sonntagmorgen dann mit Ringen unter den Augen auszurufen: „Heureka! Motorradtinte! Das ist die Zukunft!“

Hat man sich gegenseitig beglückwünscht, auf die Schulter geklopft, die Produktion umgestellt und ist dann zufrieden nach Hause gegangen? Vielleicht hat aber auch einfach irgendwer mit dem Chemiebaukasten gepanscht, die letzten Reste zusammengeworfen und sich gefragt, was man mit dem Ergebnis machen könnte.
Heraus kam Motorradtinte.

Fragen über Frage

Wie auch immer sie entstanden ist. Es gibt sie. Jetzt stellt sich noch die Frage, wer die eigentlich kauft. Der einzige Mensch in meinem Dunstkreis, der überhaupt noch einen Kolbenfüller verwendet, ist ein chinesischer Kollege mit der allerschönsten Handschrift. Als ich ihn gefragt habe, ob er Interesse hat, winkte er nur belustigt ab. Er fährt nun mal nicht Motorrad und hat es auch nicht vor.

Vielleicht gibt es aber eine kleine Gruppe von Eingeweihten, die sich gegenseitig noch Briefe schreibt. Da wird dann vielleicht am Briefumschlag geschnuppert, gelächelt und gesagt: „Ah! Das ist bestimmt die Streckenempfehlung vom Paul.“

Ungeahnte Potenziale

Dann wäre Potenzial für mehr! Motorradbriefpapier namens „Asphalt “, Motorradparfüm („Sprit“), Motorradduschgel („Oil“), Motorradrasierseife („Grip“), Flip-Flops aus recycelten Motorradreifen („Apex“), Kondome („ABS“) und, und, und. Man könnte glatt ein ganzes Wirtschaftsimperium aus dem Boden stampfen.

Also liebe Investoren! Butter bei die Fische! Die Idee liegt auf dem Tisch. Her mit dem Geld!

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10 Comments

  1. genau: „moppett“, der duft, der echte kerle macht. kopfnote altöl, herznote kettenfett. kann nur von bruno banani kommen. ob wohl über jahrgangsdüfte mit deutlichem terroir nachgedacht wird? panamericana, eifel-kehren, oberfranken-gravel, les perfums des pyrenées… 🙄

    1. Linne, sollte ich doch noch mal eine Manufaktur gründen, ist Dir der Stuhl des Creative Product Management Directors sicher! Du bekommst sogar duftende Karbonvisitenkarten mit Reifendruckprüfskala.

  2. Herrlich!
    Ich kenn zwar das Männerdeo „Iltis for men“, aber „Motorradtinte“ … darauf muss man erst mal kommen.
    Briefe werden von mir nur mit
    (Obacht, Originalton westfälisch) TINTENFÜLLER geschrieben.
    Ist aber tatsächlich ein uralter GEHA mit Tintenpatronen 😀

    1. Du erinnerst mich an meine Grundschulzeiten. Irgendwann wurde die Klassengemeinschaft durch den ersten ideologischen Grundsatzstreit meines Lebens gespalten: GEHA oder Pelikan? Davon habe ich mich bis heute nicht erholt. Aber das Iltis-Parfüm kenne ich noch nicht. Vielleicht ist es sogar derselbe Hersteller …

    1. Ich werde als ersten Schritt in eine offenbar vielversprechende Zukunft als Industrieller demnächst mal jemandem Kondome zum Geburtstag schenken. Als ersten Markttest. Wenn es mir gelingt, heimlich zu filmen, sende ich Dir die Aufnahme der Reaktion.

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