Der lange Weg zum kurzen Abschied

Wann ist ein Motorrad abgelaufen? Wann schmerzen die Ausgaben zum Erhalt eines Klassikers mehr, als dass die tiefe Zuneigung alles aufwiegt? JETZT, meint Bryno.

[Bild: Abschied | motorradblog.de]


Der Sommer war klasse, ja legendär mit der nicht enden wollenden Saison 2018. Sehr viel Motorrad gefahren nach dem gelungenen Wiedereinstieg im Herbst 2017. Das Traumbike musste seinerzeit her. Ein luftgekühlter dicker Reihenvierer. Schwarz und fast im Originalzustand. EZ 1998. So einer kann nur „Herbert“ heißen. Noch schnell die fällige große Inspektion machen lassen, bei der Gelegenheit die schwammigen Gabelfedern gegen etwas Ordentliches getauscht. Und ab ging’s! Jetzt ist alles gemacht und Ruhe, dachte ich. Die fast vierstellige Summe für den Freundlichen war schnell vergessen.

Das war naiv.

Ich habe mich bis heute nicht getraut, sämtliche unfreiwillige Ausgaben zusammenzurechnen, die mir mein Traumbike im Laufe des Jahres bescherte. Sie dürften aber locker die Summe des Kaufpreises erreichen. Uff!

Die Lust auf’s Motorradfahren ist ungebrochen, die nächste lange Tour geplant. Aber mit dem alten Hobel? Ich will weder mir noch meinen Freunden die Tour versauen, sollte Herbert zwischendurch die Puste ausgehen. Und doch liebe ich den Dicken über alles. Ist halt m e i n Motorrad.

Generationenkonflikt

Zwischenzeitig war ich deshalb doch beim Händler. Ausschau nach etwas Frischem halten. Und schwupps saß ich auf einer hochgelobten, potenten, fast neuen Dreizylindermaschine und durfte über die Landstraße fegen. Das Erlebnis war beklemmend. Für Herbert.
Eine Enkel-Opa Konfrontation. Ein Apfel-Birnen Vergleich. Unglaublich, was die Motorradevolution in den letzten 20 Jahren geleistet hat. Sitzposition, Durchzug, Bremsen, Fahrwerk, Windschutz – alles spürbar besser als beim Dicken. Hmm.

Vielleicht ein neues Bike und Herbert trotzdem behalten? Im Moment läuft er ja, als wäre nie etwas gewesen …

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18 Antworten auf „Der lange Weg zum kurzen Abschied“

  1. Inspektion macht man selber:
    – damit man lernt wie´s geht
    – damit man Spaß am Schrauben hat
    – damit man Geld spart
    Moderne Motorräder mit Assistenz-System sind für Leute die nicht Fahren können und es auch nicht lernen wollen…

    1. Servus Peter,
      wie Bryno es sieht, weiß ich nicht. Bei mir selbst sieht es mit dem Schrauben folgendermaßen aus. Ich würd’ gern, passt aber nicht. Die Zeit fehlt. Eine Weile habe ich an meinem Youngtimer herumgebastelt aus ganz ähnlichen Gründen, die Du nennst. Aber der Aufwand für jemanden wie mich, der sich in so gut wie alle technischen Belange erst einmal einarbeiten muss, ist hoch, wenn es ans Eingemachte geht. Eine auseinandergenommene Maschine bei bestem Wetter in meiner Garage herumstehen zu haben, hatte ich schon. Das brauche ich für die nächsten Jahre nicht wieder. Fest auf dem Plan für später steht aber ein eigenes Projekt. Denn grundsätzlich macht es, so wie Du ja schreibst, Spaß. Ansonsten hätte ich es als frischer Wiedereinsteiger genauso wie Bryno gemacht – bzw. machen lassen.
      Horrido
      Gypsy

    2. Hallo Peter M.,
      Du hast vollkommen Recht, doch leider verhält es sich ähnlich wie beim Chimp. Die Ressourcen und die Zeit sind bei mir sehr knapp bemessen. Das lässt sich nicht anders priorisieren.
      Letztlich bin ich auch einer, der lieber fährt, als schraubt.
      Viele Grüße

  2. #Eine auseinander-genommene Maschine bei bestem Wetter in meiner Garage herumstehen#

    Deshalb habe ich ja zwei!
    An so einer alten Kiste kann immer mal was kaputt gehen… dann heißt es: Auseinander bauen, Ersatzteil bestellen und warten….
    Manchmal auch länger. Ich habe auf zwei Tourmax FVS216 letztes Jahr fast 3 Monate gewartet.

  3. Meine Älteste ist zwar nicht so alt wie Herbert, aber die Kosten für ihre jährlichen Kuraufenthalte übersteigen mittlerweile wohl auch ihren Wert. Wer würde mir denn auch eine Ducati mit 80.000 km abkaufen?

    Aber sie ist „mein“ Motorrad. Habe sie neu gekauft, habe zwangsdiätet, um sie erhalten zu können, war mit ihr so weit weg von zuhause wie mit keinem anderen Fahrzeug – es geht nicht anders, sie MUSS bei mir bleiben 😉

    Ihr Haltbarkeitsdatum ist sicher schon lange abgelaufen – aber das ist bei sehr vielen guten Weinen auch der Fall *g*

  4. 97ger rc 42 läuft und läuft mehrmals gelegt, aber keine großen schäden leichtfüßig und kurvengierig,,
    neue gibt’s keine

  5. Zur Abstimmung werfe ich noch eine vierte Variante in den Ring:
    „Neues Moped und Herbert ins Wohnzimmer“

    Wer braucht schon Zimmerpflanzen? 😉

  6. Ich schließe mich Martina an und erhöhe um die Tatsache das man mit Herbert auch ein total gutes Argument hat warum man keinen Weihnachtsbaum mehr in die Bude stellen sollte. 😉

  7. Hei Bryno,

    hast du dir deine Frage nicht selber beantwortet? Wenn du Herbert wirklich liebst, dann weißt du was zu tun ist. Heirate ihn! Fahr mit ihm durch gute und schlechte Zeiten.
    Und denke niemals an Polygamie, wenn er dir soviel bedeutet wie du schreibst. Ist es die ganz große Liebe?
    Dann spielt das Alter keine Rolle, wobei 20 Jahre kein Alter sind. Sei ehrlich zu dir selbst! Daß du jetzt schon die ersten Seitensprünge machst und jüngeren hübschen Dingern hinterher schaust, finde ich etwas seltsam, in dem Zusammenhang. Denk mal drüber nach!
    LIEBEn Gruß
    rudi rüpel

    1. Ich schmeiß mich weg!
      Ist ja wie in einer Eheberatung hier!
      Hahaha, danken Rüpel für Deine Ausführungen hier.
      Meint der Bryno

      1. Hei Bryno, hei Gypsy Chimp,

        es freut mich sehr euch belustigt zu haben. Ich bitte euch laßt die Leserschaft wissen wie es weiter geht.
        LIEBEn Gruß vom rüpel

  8. Meine 93er Transalp ist schon seit 95 in meinem Besitz. Mit ihr habe ich meine Frau kennengelernt und Kinder bekommen. Das ist ein Familienmitglied.
    Ich bin mit ihr über Stock und Stein durch Europa getourt. Und auch wenn seit 3 Jahren ne Jüngere und leichtere danebensteht, kommt die nicht weg. Mit 160tkm ist sie noch top in Schuss, und wenn die Alterswehwechen irgendwann kommen, kriegt sie hier ihr Gnadenbrot und darf ab und an Mal Sonntags zum Stausee.

  9. Hallo,
    kenne ich. Ich habe Anfang 2017 eine kaum gefahrene (33.000 Kilometer) werkstattgepflegte BMW R1100RS gekauft. Tolles Motorrad, immer wieder ein Erlebnis damit zu fahren. Als Erstmotorrad gekauft!
    Aber:
    Zylinderkopfdichtung nach 3000 Kilometern undicht (selber repariert, sonst wirtschaftlicher Totalschaden)

    Hallgeber kaputt (Panne auf Schwarzwaldtour, auch selber repariert)

    Zündbox ausgetauscht weil sie immer mal gezockt hat und ich Angst vor der nächsten Panne hatte

    Gabelsimmerringe durch (obwohl vor 5000 km schon mal von BMW repariert)

    Dann fing auf einer Gardaseetour das Getriebe im zweiten Gang an zu springen, ein kapitaler Getriebeschaden kündigte sich an.

    Als ich wieder Zuhause war habe ich sie entnerft beim Händler in Zahlung gegeben.
    Für eine NEUE Suzuki V-Strom 650
    Ein tolles Motorrad, einfach zu fahren, zuverlässig, geiles Fahrwerk, tolle Bremsen, 60 Kilo weniger, sau bequem
    Das war die beste Entscheidung seit Jahren

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