Lustig oder nicht? Thunberg in Motorradforen

Der Hype rund um Greta Thurnberg war und ist mir weitgehend schnuppe. Dennoch begegnet sie mir nun regelmäßig. Nämlich in meiner Social-Media-Motorrad-Bubble.

Insbesondere bei Facebook. In Motorradforen geht es normalerweise um die Frage, was geeignete Winterhandschuhe sind. Oder um Debatten über die richtige Fahrwerkseinstellung, Berichte zu Touren, allgemeine Tipps und vielem anderen mehr. Epische Diskussionen können sich rund um den Motorradgruß entfachen.

Thema Thunberg

Aber kürzlich hielt auch Greta Thunberg Einzug. Nur wieso? Sie fährt nicht Motorrad. Und wenn sie Pech hat, dann wird sie es auch niemals tun.

An Umwelt- und Klimaschutzfragen kann es nicht liegen. Die waren schon vorher Thema und sickerten in die gesellschaftlich breit aufgestellte Motorrad-Community nicht erst mit E-Motorrädern ein.

Zu letzteren gibt es Datensammlungen und kritische, abwägende Einschätzungen zu der Frage, ob der E-Motor tatsächlich eine auch ökologisch tragfähige Alternative darstellt. Soweit ich es einschätze, reagierte man gelassen, abwägend und, mit Ausnahmen, weitgehend rational.

Vielleicht liegt der Grund darin, dass Thunberg so gut wie allen erwachsenen Menschen den Vorwurf macht, ihr selbst und ihrer gesamten Generation die Zukunft genommen zu haben. So wird tatsächlich jeder auf die Anklagebank gesetzt und in eine Verteidigungs- und Rechtfertigungshaltung gedrängt. Bedingung: man nimmt Greta Thunberg ernst.

Auch wenn eine pubertierende Jugendliche normalerweise selbst in Schweden Schwierigkeiten haben wird, publikumswirksam und global das emotionale Richtschwert zu schwingen, funktioniert es in diesem Falle ganz hervorragend. Immerhin surfen sehr, sehr viele Kinder, Jugendliche und eine Gruppe Erwachsener die Welle der Freitagsstreiks und Pappkartonslogans. „Schafft Fabriken ab!“, las ich kürzlich auf einem.

Aus soziologischer, psychologischer, medienwissenschaftlicher und auch politischer Perspektive lassen sich dazu sicherlich ganz hervorragende Dissertationen schreiben. (Aus ökologischer Perspektive wohl nicht.)

Double Bind

Ein Teil der Motorradgemeinde reagiert sensibel und geradezu wie ein pawlowscher Hund auf Thunberg. Das finde ich grundsätzlich nachvollziehbar. Die Konsequenz aus Thunbergs Position bezieht sich ja immer auf die radikale Verhaltensänderung (der anderen). Kommt man der Forderung nach, muss es aber auch immer wie ein Schuldgeständnis wirken. Double Bind.

Es braucht kein Psychologiestudium, um die naheliegende Reaktion auf solch ein Muster zu ersinnen: sie lautet Trotz. In meiner Motorrad-Bubble sind es in der Regel Fotos, die Thunberg in einen anderen, fiktiven Zusammenhang stellen. Beispielsweise eine Portraitaufnahme, mit einem Filter nachträglich zum Goldfischglaseffekt verzerrt. So, als blicke man durch einen Türspion. Dazu die Unterschrift: „Mach die Tür auf. Wir müssen über dein Mopped reden!“

Kinderspäße

Diese Reaktionen all der nachweislich erwachsenen Motorradfahrer sind ohne Frage infantil. Es sind Kinderspäße. Lustig. Aber infantil. Infantiler selbst als das schwedische Kind, das mittlerweile gelernt hat, staatsmännisch auszusehen, gewichtig zu posieren und rhetorische Angstpolemik wie ein populistischer Machtpolitiker vorzutragen. Aber sie sind auch plausible Folge. Denn wer so jung so altmütterlich aufgeplustert wird, muss damit rechnen, dass sich die eigentlichen Adressaten kichernd abwenden.

Mitdenken muss man immer, dass Thunberg nicht einfach nur Person ist. Sie wurde zur symbolischen Erlöserfigur einer Bewegung stilisiert. Aus solchen Ikonen lässt sich mächtiges Inszenierungskapital schlagen. Es ist sicher nur eine Frage der Zeit, bis die Weisheiten der Thunberg in Büchern nachzulesen sind.

Der erste, demnächst zu erwartende Titel wird womöglich „Dein Untergang“ lauten. Der andere, in 10 oder 20 Jahren vorgestellte Einband heißt dann: „Wie ich die Welt rettete.“ Es wird vielleicht Statement-Dresses geben, Thunberg-Kochrezepte, Thunberg-Kleidungsstücke und möglicherweise sogar ein eigenes Eau de Cologne namens Gretá. Man wird sie in vielen dieser unsäglichen Talk-Shows sehen. Und ihr wahrscheinlich eine eigene Sendung geben.

Wie auch immer. Sich gegen die Symbolmaschinerie mit albernen Scherzen zu wehren, ist vollkommen angemessen und richtig. So betrachtet, kippen diese eigentlich flachen Türspionwitze und wirken wie Bilderstürmerei mit Humor.

Auch wenn der nicht besonders fein daherkommt – ich finde ihn akzeptabel, solange nicht die Person, sondern die Gallionsfigur gemeint ist, zu der Thunberg gemacht wurde.

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5 Comments

  1. Lustig ist es wenn aus dem Speichelfluss ein Beißreflex wird. 😉

    Was ich damit meine: Jedes Glöckchen (also Beitrag über Greta) wird eifrig geteilt und gut gefunden. Macht ja auch Sinn. Niemand will kleinen Kindern, der Umwelt oder süßen Katzenbabys etwas Böses.

    Verwendet man dann aber mal so ein Glöckchen gegen die betroffene Person und fragt ob es den »f**k Greta«-Aufkleber serienmäßig zum bei Facebook oder Instagram in fotograpixelter Form schön zur Schau gestellten, neu erworbenen SUV gibt, folgt der Beißreflex. Ertappt? Dann wird geleugnet, ausgewichen und die Vorzüge eines SUV werden erklärt. Ein Motorrad würde auch nicht weniger verbrauchen. Stimmt. Aber vergleicht man da gerade wirklich einen aktuellen Turbodiesel mit seiner umweltfreundlichen Herstellerangabe mit einer 1200er Bandit mit Vergaser und klassischer Sauger-Konstruktion? Das hat schon was von Wahrnehmungsverzerrung, Äpfel und Birnen oder einfach nur gelebter Unsachlichkeit.

    Von da her: Früher sollte man Kreise nicht stören. Wir wissen alle wie das für den Protagonisten geendet hat. Besser man stört also die »Facebookinstagramselbstdarstellungsblase« nicht – sonst ergeht es einem wie dem armen Archimedes… Wobei… Der hat ein schlimmeres Schicksal erlitten als nur »entfreundet« zu werden… 😉

    Ich halte mich aus der Greta-Diskussion ziemlich heraus. Außer die SUV-Bilder nehmen überhand. Dann verweise ich gerne auf Severn Cullis-Suzuki, 1992, Rio – und darf Unverständnis ernten. Kennt niemand mehr… Interessiert auch niemand. Vermutlich weil der Name zu viele Buchstaben hat? Greta ist irgendwie schon griffiger.

  2. UND WENN GRETL GLÜCK HAT,

    wird sie es tun? Mopped fahren meine ich. Und welches? Victoria Bergmeister oder vielleicht eine Husaberg? Wer weiß? Warten wir mal ab. Zum Glück wurde nicht die komplette Zukunft gestohlen ein wenig bleibt Greta und uns dann doch noch. Karl Valentin meinte zum Thema: Früher war selbst die Zukunft besser. Diese Weisheit werde ich mir jetzt aufs Mopped kleben und losfahren in die Zukunft, das Land Hysterien werde ich auf meiner Reise weitläufig umfahren.
    LIEBEn Gruß und ich schick euch ne Karte
    rudi rüpel

    1. Jepp, auch interessant, wie unterschiedlich der Umgang mit den großen Themen in den verschiedenen Ländern ist. Gute Reise! 🙂

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